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Bericht über die Arbeit in der "Casa Mateus" von Vera Walbert, Leiterin der Einrichtung


Das Centro Comunitário Casa Mateus entfaltet seine Tätigkeiten im
Wohnviertel Parque das Américas und im umliegenden Wohngebiet der Stadt
Mauá/São Paulo. Dort gibt es viele Favelas und irregulär besetzte
Flächen mit besonders hohen sozialen Risiken.


Die Stadt Mauá gehört zum ABC-Gebiet (Santo *_A_*ndré, São *_B_*ernardo
und São *_C_*aetano). Diese Region ist Bestandteil der Metropole São
Paulo oder, wie auch genannt, des Großraumes São Paulo.

Die Bevölkerung des Großraumes São Paulo wird auf zirka 19,9 Millionen Einwohner geschätzt. Dies heißt, von zehn Brasilianern wohnt einer in dieser Metropole. Sie ist die größte Stadt Brasiliens und Südamerikas und die 6-grössste der Welt.

São Paulo ist die größte Erzeugungsquelle des nationalen Reichtums und beherbergt die Mehrzahl der wichtigsten brasilianischen Hauptsitze der Industrie- sowie der Handelsunternehmen und hauptsächlich der Finanzinstitute (Avenida Paulista). Die Wirtschaft des Landes wird von hier aus geführt. In einem Gebiet solcher Tragweite bestehen auch vielerlei Schwierigkeiten. Genannt seien die öffentlichen Verkehrsmittel
und der Autoverkehr.


* Täglich sterben 8 Menschen und 450 verunglücken im Autoverkehr.
* Täglich verbringen 20% der Arbeiter mehr als 3 Stunden und 10% mehr als 4 Stunden   im Verkehr.
* 94% der Luftverschmutzung wird von Autos, Omnibusse und Lastwagen  erzeugt.
* Täglich beläuft sich der Autostau auf über 100km.

In Mauá entfallen pro Quadratkilometer 6.463,7 Einwohner. Innerhalb des Stadtgebietes ist die Einwohneranzahl jedoch viel größer, da allein schon die von der Industrie besetzte Flache ein Drittel des Stadtbezirkes einnimmt sowie 10% der ländlichen Umgebung und dem Naturgebiet Parque Serra do Mar zufallen. Im Bundesland São Paulo nimmt Mauá mit 412.753 Einwohnern den 11. Platz in der Rangstufe der Einwohneranzahl ein und ist unter den 50-grössten Städten ganz Brasiliens einzureihen.

Das ABC-Gebiet entwickelte sich besonders mit der Autoindustrie. Auf der Suche nach Arbeitsmöglichkeiten und besseren Lebensbedingungen wanderten viele Menschen aus dem Nordosten Brasiliens zu. In Mauá gibt es zwei Industriegebiete und ein großes Petrochemisches Zentrum, wo sich eine Ölraffinerie befindet. Diese Unternehmen verwandelten Mauá in eines der größten Industrie-Parks Brasiliens.

Ein großer Teil der Bevölkerung Mauá’s ist der schlechten Schulbildung
und Berufsausbildung wegen nur in der Lage einer Nebenarbeit oder einer
informalen Tätigkeit („Schwarzarbeit“) nachzugehen.

Mauá wuchs in einer chaotischen Weise. Der Hauptgrund der ungeordneten Besetzung der Stadt ist der beschleunigten Industrialisierung in den 1950iger Jahren im ganzen ABCD-Gebiet (D = *_D_*iadema) zuzuschreiben. Zu dieser Zeit diente Mauá als “Schlafstadt” der Arbeiter anderer Städte der Metropolregion. Die Eisenbahnstrecke endete in Mauá. Die Klasse D (= arme Klasse) begann in Mauá zu wohnen und besetzte irregulär das Land.

In den letzten Jahren wurde das ABC-Gebiet durch die Globalisierung und Neustrukturierung der produktiven Systeme und durch die sozial-wirtschaftlichen Veränderungen und der Arbeitslosigkeit in Mitleidenschaft gezogen, was zur Zunahme sozialer Probleme führte. Anhand von durchgeführten Erhebungen konnte ermittelt werden, dass mehr als die Hälfte der Kinder, die sozusagen den ganzen Tag auf den Strassen sind, einer Arbeit nachgehen, um ein wenig das Familieneinkommen zu
verbessern.

Das Wohnviertel Parque das Américas besteht seit 40 Jahren. Seine Bevölkerung erfasst zirka vierzigtausend Einwohner und seine Fläche umfasst 2,40 Quadratkilometer. Gemäß Angaben der Stiftung SEADE (Fundação Sistema Estadual de Análise de Dados) befindet sich der Wohnort in einer der Regionen mit höchstem Index sozialer Vulnerabilität
(Verwundbarkeit, Verletzlichkeit). Nahezu 26% der Bevölkerung sind Kinder und Jugendliche im Alter von weniger als 15 Jahren mit unzureichender Schulbildung und geringer Möglichkeit, einmal in die Arbeitswelt einsteigen zu können.

In den vergangenen Jahren sind die Familien infolge der steigenden illegalen Geschäfte im Waffen- und Drogenhandel, die sich in den “Favelas” des Wohnviertels etablierten, immer mehr dem sozialen Risiko ausgesetzt und das Organisieren der Bevölkerung ist zum Stillstand  geraten.


In diesem Szenarium wirkt das Centro Comunitário Casa Mateus schon seit fast 29 Jahren. Bietet Kindern, Heranwachsenden, Jugendlichen und deren Familien, die sich in wirtschaftlicher und sozialer Vulnerabilität befinden und ein Pro–Kopf-Einkommen von einem halben Mindestlohn haben, Hilfe zur Selbsthilfe an.

Die Aktivitäten der Einrichtung erfassen drei Programme:
1. Grundschulergänzende Erziehungs- und Bildungsarbeit
In diesem Bereich entfaltet das Centro Comunitário Casa Mateus folgendes Unterrichtsprogramm: Informatik, Theater, Musikerziehung, Capoeira und pädagogische Begleitung lernschwacher Kinder im Lehrgang “Lernen, zu lernen”. Alle Kinder und Heranwachsenden müssen den regulären Schulunterricht besuchen und im Alter von 7 bis 14 Jahren sein.

2. Angebote für Jugendliche
Im Rahmen der Vorbereitung auf die Arbeitswelt werden Jugendliche im Alter von 15 bis 21 Jahren im Lehrgang “Hilfskraft für allgemeine Verwaltungsarbeiten” gefördert.
3. Familienhilfe
Den Familien der in der Einrichtung eingetragenen 198 Kinder, Heranwachsenden und Jugendlichen wird soziale Begleitung gewährt. Diese Unterstützung gilt auch die 100 Familien, die vom Milchverteilungsprogramm der Regierung des Bundeslandes São Paulo bedacht werden.